Chris Nains Blog

Digitales Tagebuch

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Eine Medienschelte

Oktober 23rd, 2012 · 4 Kommentare

Meine Intention für diesen Blogpost

Vor kurzen hatten wir mit Stephan Klecha einen Gast beim Stammtisch der Potsdamer Piraten. Er ist Parteienforscher und SPD-Mitglied, was natürlich seine Neutralität als Parteienforscher durchaus hinterfragbar macht. Er hat in dem folgenden “Berlin direkt”-Beitrag vom ZDF mitgewirkt, den ich als “richtig schlecht” bezeichnet habe:

http://www.youtube.com/watch?v=N8kTzS4AFaI

(Video von pupetv auf YouTube)

Was ich am Beitrag kritisiere

Ich kritisiere den Beitrag insgesamt, auf Stephan Klechas Aussagen zu den Werten der Piraten gehe ich im nächsten Blogpost noch genauer ein. Seiner ersten Aussage stimme ich durchaus zu. Die angesprochenen großen Affäre um Nichtigkeiten werden aus meiner Innensicht jedoch nicht von den Piraten aufgespielt, sondern von Medien, die fast ausschließlich über Streits oder nicht-inhaltliche Diskussionen berichten. Konferenzen wie der Open Mind, den Wirtschafts- oder Antragskonferenzen, gar Programmentwicklung auf Parteitagen wird nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Man will anscheinend gar nicht wissen und berichten wohin sich die Partei entwickelt. Vielleicht um die Mär aufrecht zu erhalten, die Piraten hätten keinprogramm.de, sie seien eine Einthemenpartei und hätten keine Werte?

Das Video glänzt weiter mit tendenziöser nicht neutraler Berichterstattung. Sätze wie “Schaut man genau hin zeigt sich: Das Scheitern scheint eingebaut im eigenen Betriebssystem” sind ein Beispiel dafür. Würde man tatsächlich genau hinschauen und nicht nur dem allgemeinen Medienrauschen zuhören, dann würde man erkennen wie die programmatische Arbeit voranschreitet, wie die Partei auch einen Entwicklungsprozess durchläuft. Schaut man nicht genau hin, sieht man viel Gestreite, das es zweifelsohne auch gibt. Hat man nicht den Anspruch an einer ausgewogenen Berichterstattung, so reicht es natürlich aus sich auf diesen Punkt zu stürzen.

Der nächste Punkt “ein klassisches Wertegerüst gibt’s nicht – ganz bewusst”. Nun kann man sich sicher um das Wort klassisch streiten, ist das Wertegerüst der Piraten klassisch oder eher modern? Der Beitrag ist aber nicht so angelegt als wenn es um das Wort klassisch geht, es geht darum Aussagen treffen zu können wie:

  • Die Piraten haben keine Werte.
  • Es geht ihnen um nichts konkretes.
  • Das Programm ist ein diffuses zusammenhangloses Geschreibsel das sich jederzeit über Liquid Democracy ändern könnte.

Solche Aussagen kennt man ja bereits aus diversen Berichten in Bild, Ton und Text. So etwas soll manifestiert werden, es soll beim Kunden ankommen und vielleicht glauben die Produzenten dieses Blödsinnes sogar tatsächlich daran!?
Für mich als Piraten ist das schon etwas kränkend. In so einer Partei, wie sie hier dargestellt wird, würde ich mich nicht engagieren.

Neutrale Berichterstattung gibt es nicht, stattdessen prägt man ein Außenbild was abschreckt und auch in die Partei hineinwirkt. Man ignoriert gerne, dass der Vorsitzende nur als Sprecher einer möglichst hierarchiefreien Partei agiert, der über seine persönliche Meinung der Partei keinen Stempel aufdrücken darf.

Die nächste Aussage “um Inhalte sollte sich der Schwarm kümmern – doch der ist wenig effizient, er schwirrt orientierungslos umher”. Wieder eine klar negative Wertung, wieder falsch. Schaut man genauer hin weiß man, dass hunderte Anträge auf die Abstimmung auf einem Parteitag warten. Betrachtet man die Parteitage wird auch mit vielen Teilnehmern dank guter Versammlungsleitung inzwischen hocheffizient gearbeitet. Hier missachtet man das die Piraten nicht ständig einen Parteitag abhalten können, denn das kostet Geld, was die Piraten nicht haben. Die Piraten verfügen weder über die Mittel einer Bundestagspartei vom Saat, noch sind sie die Erfüllungsgehilfen großzügiger Gönner aus der Wirtschaft.

Zum Fazit: “Bevor sie das politische System verändern, müssen die Piraten sich erst selbst umprogrammieren, professionalisieren”.
Wenn das von uns erwartet wird, sage ich dazu klar NEIN!
Wir haben einen Anspruch an Transparenz und wir werden auch wegen diesem Anspruch gewählt. Es gibt ein klares Bedürfnis nach Transparenz, das sieht man in der Debatte um die Nebeneinkünfte.
Der Bericht schließt also damit ab, dass wir uns für Politik und Medien verbiegen sollen, um so zu werden wie Politiker die wir nicht sein wollen? Warum? Um so zu werden sie Menschen Politiker nicht wollen? Um dem Abscheu gegenüber Politikern und der Politikverdrossenheit weiter zu verbreiten? Pfui!

Auf die dümmliche Sprache, die immer wieder Begriffe aus der Computerwelt aufgreift, möchte ich genauso wenig eingehen, wie auf die aus anderen Beiträgen bekannten und ebenso dümmlichen Seefahrtsbegriffe.

Tags: Piratenpartei · Politik

4 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 hubx // Okt 23, 2012 at 12:31

    Um das mit der Effizienz der Parteitage zu quantifizieren. Auf der letzten Parteitag der Piraten in Brandenburg wurden ueber 120 Antraege behandelt. Man kann sich hier in der Videoaufzeichnung selbst ein Bild der Effizienz machen: https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=OGriXvz_iZ0

  • 2 Steffen // Okt 23, 2012 at 19:14

    Auch wenn Ihr das nicht wahrhaben wollt, in dem Beitrag steckt jede Menge wohlgemeinte Kritik. Mit Betonung auf wohlgemeint!
    Aber dagegen scheinen die Piraten generell immun zu sein. Jede Kritik von außen wird gleich als Angriff gewertet. Das ist nicht hilfreich.

    Und die Zahl der in einer bestimmten Zeit behandelten Anträge ist ein Index für die erbrachte Leistungen ( definiert als Arbeit pro Zeit). Mit Effizienz hat das erst einmal nichts zu tun. Die ist nämlich das Verhältnis von Aufwand und Nutzen.

  • 3 chrisnain // Okt 24, 2012 at 09:51

    @Steffen: “Wir” ist immer schwierig aber ich bin durchaus offen für Kritik. Den Blogpost zu diesem Beitrag habe ich speziell auf Stephan Klechas Nachfrage geschrieben. Sonst hätte ich ihn nicht geschrieben. Einseitige Berichterstattung ist man ja gewohnt.

  • 4 hubx // Nov 5, 2012 at 14:06

    Steffen, wenn du kleinteilig klugscheissen willst sortiere erstmal bitte deine Fakten vorher 😉
    Definition aus der Physik und Wirtschaft zusammenwuerfeln hilft auch nicht.

    “Effizient arbeiten bedeutet hingegen, ein Ziel oder Ergebnis [..] mit einem bestimmten Mitteleinsatz[hier Zeit] einen möglichst großen Ertrag zu erreichen*”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Effektivit%C3%A4t

    Und konkret was war jetzt dein mit der Kritik an der Kritik?

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