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Systemfrage

Oktober 27th, 2011 · Keine Kommentare

Wir leben in turbulenten Zeiten. Überall auf der Welt gehen Menschen auf die Straßen, um wieder gehört zu werden. Dies passiert in Diktaturen ebenso, wie in Staaten die als Demokratien bezeichnet werden, jedoch in ihrer Repräsentation weit entfernt von “der Herrschaft des Volkes” sind.

Tatsächlich ist der Bürger ohnmächtig, da er mit seinem Kreuz alle > 4 Jahre allenfalls Änderungen in den Parteien, jedoch nicht in der Politik herbeiführt.  Parteien scheinen für nichts mehr zu stehen, die liberal-konservative Regierung schafft die Atomkraft ab und die Pazifisten beginnen den ersten Krieg Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg.

An der “Herrschaft” teilhaben, kann der Bürger in Deutschland eigentlich nur, wenn er die Medien begeistern kann, die über ihre Multiplikatorfunktion in der Lage sind politische Änderungen herbeizuführen. So bringen die Medien den Betrüger Guttenberg zu Fall oder die Piratenpartei ins Berliner Parlament, nachdem sich viele Leute engagiert haben um ein mediales Interesse zu wecken.

Die Piratenpartei bietet nun tatsächlich eine Chance für eine “Herrschaft des Volkes“, wie ich bereits berichtete.

Die Piratenpartei hat damit zwar eine Idee von einem neuen politischen Betriebssystem, welches breite Beteiligung ermöglicht, jedoch keine Ideen für gesellschaftliche Fragen.

Das ist nicht ganz richtig, denn es gibt die Idee des BGE, des Bedingungslosen Grundeinkommens, welches zwar im Berliner Wahlprogramm zu finden ist, jedoch innerhalb der Gesamtpartei auch umstritten ist. Um an das BGE zu glauben, muss man an das Gute im Menschen glauben und dazu sind viele nicht bereit. Es handelt sich hier auch tatsächlich um einen Glauben, denn das BGE ist eine Vision, welches bisher in keinem Land der Welt tatsächlich praktiziert wurde. Man müsste das BGE ausprobieren, um zu wissen ob es funktionieren kann.

Das BGE ist nur ein Upgrade für das vorhandene Gesellschaftssystem. Mit dem BGE werden wir keine Bankenkrise besiegen. Man könnte mit dem BGE vielleicht die Occupy-Bewegung besänftigen, welche die soziale Ungleichheit anprangert. Occupy beklagt, dass “genug Geld” vorhanden sei, um Banken und Staaten zu retten, jedoch nicht genug um kostenlose Bildung oder vernünftige Gehälter zu finanzieren. Mit dem BGE könnte man diese Gruppe vielleicht zufriedenstellen, da beim BGE jedem ein bedingungsloses Grundgehalt in einer bestimmten (zu ermittelnden) Höhe gezahlt wird, welches zum Leben ausreicht und Geld durch Erwerbsarbeit zusätzliches Geld für “Luxus” wäre.

Ob es BGE existiert oder nicht rettet weder Banken noch Staaten. Wenn im Zuge der Krise trotz BGE andere Sozialausgaben gestrichen werden oder sich Preise erhöhen, werden die Demonstranten schnell auf die Straßen zurückkehren.

Wir können also weiter am Kapitalismus herumdoktorn: Ein BGE einführen, Banken retten, versuchen über Finanztransaktionssteuern oder Verbot von Leerverkäufen den unverantwortlichen Handel mit Geld zu begrenzen. Vielleicht können wir mit einer Weichenstellung hier und einer Weichstellung dort das System erträglicher machen.

Vielleicht ist es aber auch an der Zeit, wieder einmal die Systemfrage zu stellen?

Ein schöner Spruch der BGE-Bewegung ist “Macht Geld Sinn”. Er stellt einerseits die Frage nach dem Sinn des Geldes und soll andererseits andeuten, dass mit BGE den Menschen eine Freiheit zurückgegeben wird, die ihnen mittels Geld die Macht gibt, den Sinn des eigenen Lebens zu finden und zu leben.

Ich frage mich aktuell jedoch eher “Macht Geld Sinn?”. In der Gesellschaftsordnung Kapitalismus bekommen wir Geld für Erwerbsarbeit, um wieder mit diesem Geld Grundbedürfnisse und Wohlstand zu finanzieren. Dieses Geld muss zirkulieren und sollte möglichst nicht aus dem Geldsystem herausgenommen werden, da sich sonst die Geldmenge verkleinert und das System in seiner Funktion schädigt. (Auf der Bank gespartes Geld, wird nicht dem System entnommen, da die Bank mit diesem Geld arbeitet.) Da dies jedoch trotzdem passiert wird auch immer Geld nachgedruckt, was normalerweise sehr kontrolliert ablaufen sollte, da auch zu viel Geld im System schadet.

Geld wird auf der Bank gespart und Geld wird als Kredit verliehen. Kredite werden dazu genutzt Investitionen zu tätigen, welche im Idealfall den Kredit mit seinen Zinsen wieder tilgen können. Tatsächlich können nicht alle Kredite zurückgezahlt werden, den Banken steht jedoch Geld zu. Das Geld was der Bank von dem Einen zusteht, kann an den Nächsten als Kredit weiterverliehen werden. So kommt eins zum anderen. Hinzu kommen abgefahrene Bankgeschäfte und wundersame Geldvermehrung und am Ende muss irgendjemand dafür Bluten. Jemand muss Geld zurückzahlen, welches es eigentlich gar nicht gibt.

Im Fall von Griechenland versucht man fehlendes Geld von den Bürgern der EU und durch Einsparungen Griechenlands zu holen. Wenn man dieses Geld nicht beschaffen kann, könnte dies die Bank ruinieren. Eine Bank die pleite ist, kann den Leuten, welche Geld bei dieser Bank angelegt haben, kein Geld zurückzahlen. Und dann kommen wir bei einem Dilemma an.

Zwar garantiert der deutsche Staat bis zu einer gewissen Höhe für die Ersparnisse der Bürger, müsste aber um diese Garantien zu erfüllen neue Kredite (von Banken!) bemühen. Damit dreht sich die Spirale weiter bis das System crasht, es über Inflation zu einer Währungsreform kommt und das Spiel von Vorn beginnt.

Zurück zur Systemfrage!

Da heißt es immer so schön: “In was für einer Gesellschaft möchten wir leben?”

Leben wir im Kapitalismus… wird das System wohl irgendwann wieder zusammenbrechen, bis es wieder von vorn beginnt und wieder aufgebaut wird und wieder zusammenbricht.
Leben wir im Kapitalismus… wird nur Erwerbsarbeit bezahlt. Sie wird nicht gerecht bezahlt, sondern nach verschiedenen anderen Kriterien. Soziales Engagement wird nicht gewürdigt.
Es gibt vieles das gegen den Kapitalismus spricht und vieles da dafür spricht. Das System wird ausgenutzt.

Wie sieht es denn im Kommunismus aus?

Den Kommunismus gab es noch gar nicht wirklich. Es gab und gibt den Sozialismus, der jedoch nicht ohne die Kontrolle seiner Bürger auskommt. Wollen wir das?

Im Kommunismus muss man im Grunde, wie beim BGE, an das Gute im Menschen glauben. Marx skizziert die klassenlose Gesellschaft des Kommunismus mit  “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!” eine Utopie, welche sehr leicht ausgenutzt werden könnte.

Gesellschaftssysteme mit starren Klassen, welchen unterschiedliche Privilegien zukommen, brauche ich gar nicht erst ansprechen. Wir wollen keine Diskriminierung schaffen.

Was steckt dahinter?

Was versucht man mit Geld zu erreichen? Man versucht einen Antrieb herzustellen. Menschen werden angetrieben Geld zu verdienen, um sich selbst und andere versorgen zu können. Die Höhe des verdienten Geldes sollte im Idealfall einen Grad der Anerkennung darstellen. So erhalten hochgebildete Menschen für komplizierte Tätigkeiten in der Regel mehr Geld als andere Menschen für einfache Tätigkeiten.

Allerdings erhält man demzufolge Anerkennung in Form von Geld nur für Erwerbsarbeit. Engagement in anderen Bereichen wird einem bestenfalls gedankt. Von diesem Dank kann man sich jedoch weder Essen kaufen, noch eine Wohnung mieten.
Jemand der in der Gesellschaft keiner Erwerbsarbeit nachgeht rutscht in eine Nische, wird als seltsam angesehen und da hilft auch viel Dank nicht. Wer den ganzen Tag Erwerbsarbeit nachgeht bringt vielleicht viel Anerkennung in Form von Geld nach Hause, die Familie jedoch wird demjenigen das jedoch nicht Danken.
Außerdem gibt es immer mehr anspruchsvolle Erwerbsarbeit, die schlecht bezahlt wird und gleichzeitig Arbeit, welche über-über-überproportional gut bezahlt wird, selbst wenn die Arbeit schlecht gemacht wurde.

Im vollendeten Kommunismus gibt es gar kein Geld mehr. Anerkennung würde also nur noch in Form von Dankbarkeit ausgeschüttet. Genügt Dankbarkeit, um genügend Antrieb in einer Gesellschaft zu generieren? Wie kann man den Missbrauch des Systems verhindern? Und was ist mit dem Privateigentum?

Was nun?

Ich frage mich, ob ein anderes Gesellschaftssystem möglich ist. Wenn man Demokratie zu einer flüssigen Demokratie evolutionieren kann. Geht in Punkto Gesellschaftssystem nicht auch irgendwas mit Internet?

Ich habe gestern getwittert: “Post Privacy schafft die Chance die Eigenschaften des #Internet s in die reale Welt fließen zu lassen. #Spackeria #Piraten”

Kann man sich ein Gesellschaftssystem vorstellen, welches auf den Möglichkeiten des Internets aufbaut?

PS: Ich bin kein Experte, also hängt euch bitte nicht an Details auf. Seht es mir bitte nach, wenn alles nur sehr oberflächlich und laienhaft geschrieben ist.

Tags: Demokratie · Gesellschaft · Internet · Piratenpartei · Politik

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