Chris Nains Blog

Digitales Tagebuch

Chris Nains Blog header image 2

Was ist Schuld?

Januar 8th, 2012 · 4 Kommentare

Wulff badet dieser Tage in Unschuld und wird von vielen Teilen der Gesellschaft als alles andere als unschuldig angesehen.

Die Frage, was Schuld ist, ist gar nicht einfach zu beantworten.
Schuld ist nämlich immer abhängig davon, was ein Mensch für sittliche, ethisch-moralische oder gesetzliche Wertvorstellungen hat.

  • Schuld ist davon abhängig, was deine Mitmenschen als Schuld empfinden, was dich deine Familie und deine Mitmenschen gelehrt haben.
  • Schuld ist von den ethisch-moralischen Vorstellungen der eigenen Glaubensgemeinschaft abhängig.
  • Schuld ist von den Gesetzen der Nationalstaaten abhängig.

So ist Schuld für einen deutschen Atheisten etwas anderes als Schuld für einen somalischen Sunniten.

Die “westliche Welt” hat wegen ihres Lebensstils einen riesigen Anteil daran Schuld, dass Menschen in Afrika in Armut leben. Rein rechtlich, haben wir am afrikanischen Elend keine Schuld.
Den meisten Menschen in Deutschland ist das Elend anderer Menschen völlig egal, auch wenn wir alle zu diesem Elend beitragen.
In Afrika werden “unschuldige Urlauber” von Terroristen entführt. In Afrika werden Schiffe überfallen die Rohstoffe afrikanischer Länder exportieren, welche von Afrikanern im Kampf um ihr Überleben, zum Zwecke unseres Luxus, gefördert wurden. Diese Schiffe werden durch die deutsche Marine gewaltsam gegen diejenigen somalischen Piraten verteidigt, denen dieser Überfall vielleicht das Überleben sichert.

Ist Schuld eine Sache des Standpunktes?

Bin ich schuldig, weil ich Sex vor der Ehe hatte? Ich fühle mich nicht schuldig!
Ich fühle mich schuldig, weil ich ein Rädchen eines Systems bin, welches weite Teile der Welt zum Zwecke ihres Wohlstands ausbeutet.
Ich fühle mich schuldig, weil ich durch meinen Fleischkonsum dafür sorge, dass dafür Tiere unter schlechtesten Bedingungen gehalten werden und sogar Menschen in anderen Teilen der Welt aus diesem Grund hungern.
Ich schäme mich dafür, in einer Gesellschaft zu leben, in der 90% der Menschen ihre Schuld nicht einmal erkennen.

Darum twitterte ich:

Ich versuche mal für mich Schuld zu definieren:

Da ich auch das getwittert habe, bekam ich schon einige Rückmeldungen. Es gab aber noch keinen Kommentar der den Satz für mich entkräftet hat oder mich dazu bewegt ihn zu ändern.
Vielleicht kommt dieser Kommentar aber auch noch?

Ergänzen kann man vielleicht:

  • Schuld sind Menschen auch dann, wenn “die Tat” nicht persönlich ausgeführt wird.
  • Sich an Stelle anderer zu befinden erfordert, sich auch in die Lage des anderen zu versetzen.
  • Schuld für sich erfordert keine Bestrafung.

Update: Ein interessanter Kommentar hat mich darauf gebracht, dass der Satz die eigene Schuld am eigenen Unglück nicht berücksichtigt.

Tags: Gesellschaft

4 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Agnito // Feb 5, 2012 at 17:24

    Mit der Frage nach Schuld, besser noch mit der Antwort wird phil.-theol. Terrain betreten. Eine befriedigende Antwort kann deshalb auch kein Kommentar leisten.
    Schon mal darüber nach gedacht, dass es vielleicht überhaupt keine Schuld gibt?
    “Schuld” steht für Sünde und die darauf folgende Sühne. Bevor eine judenchristliche Religion die Welt infizierte gab es keine Schuld.
    Der Mensch ist von dieser kulturell-psych. Knechtschaft nur befreit, wenn er frei von Schuld ist, Wer aber will den Freien Menschen, den homo superior?
    Sich schuldig fühlen heisst nicht vollkommen zu sein. Dann aber muss ich mich ständig bessern.
    Dieses Verhalten aber führt in eine lebenslange Gefangenschaft des Geistes.

    Solange wie Du schuld bist, solange bist du nicht frei.
    Eva und Adam haben vom Apfel der Erkenntnis genascht, aber nur der Demiurg darf über Herrschaftswissen verfügen. Deshalb wurde die Schuld über die Menschen gestreut. Ich selbst habe mich vom Paradies ausgeschlossen, weil ich mehr wissen wollte als mir zustand, das ist meine Schuld und deshalb muss ich diese Schuld immer sühnen. Mit diesem Gedanken im Kopf wurden die Menschen aus dem Paradies vertrieben.
    Das war die erste Schuld auf Erden, sie diente der Stabilisierung von Machtverhältnissen, dieser Demirug (Adonai) war abgebrüht wie ein Maggiwürfel. Vor dem Sühnenfall war alles super.

  • 2 chrisnain // Feb 17, 2012 at 13:49

    Ich bin übrigens nicht bereit, das was Kirche als Schuld ansieht als das zu akzeptieren.

    Beispiel Adam und Eva: Neugier ist gut und absolut richtig! 😉

  • 3 Sumsepu // Sep 24, 2012 at 18:44

    Schuld ist im Grunde eine Erfindung aus frühen Religionen: niemand lässt sich besser unterdrücken als ein Schuldiger.
    Und Schuld kann man in vielen Formen und Facetten verteilen:

    da ist einer Schuld am Unglück eines anderen, weil er in einer verschwenderischen Gesellschaft lebt und der andere in einer armen Gesellschaft.

    da ist einer Schuld am Unglück eines anderen, weil der eine eben einfach ein Mann ist.

    da ist einer Schuld an Dingen, von denen er nicht einmal etwas weiß, einfach nur deshalb, weil ihn jemand zum Schuldigen erklärt hat.

    Was ist Schuld??
    Schuld ist ein anerlerntes Dingen was lehrt, dass man in irgendeiner Weise etwas wieder gutmachen muss.
    Und wozu das?
    Keine Ahnung.

    Glücklicherweise hat ein kleiner Teil der Menschheit es aus dem Mittelalter herausgeschafft. Und das trägt dazu bei, dass es keine öffentlichen Hexenverbrennungen in der Tat mehr gibt.
    Aber es gibt noch immer Hexenverbrennungen – ohne Feuer.

    – Think about it –

  • 4 chrisnain // Sep 28, 2012 at 10:33

    Oh ja, die gibt es. 🙁

Hinterlasse einen Kommentar