Chris Nains Blog

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Tanken oder nicht tanken… eine wunderliche Geschichte zu E10

März 8th, 2011 · 4 Kommentare

Mir brennt es schon länger unter den Nägeln etwas zu unserem neuen Biokraftstoff Super E10 zu schreiben.

Wie ist das mit dem E10 und verträgt mein Auto das?

Super E10 ist ein Beitrag dazu, vom Rohöl unabhängiger zu werden und das Klima zu schonen. E10 bedeutet, dass dem üblichen Treibstoff ein Anteil von ca. 10% Ethanol (Alkohol) beigemischt wird. Der beigemischte Ethanol wird vor allem aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen gewonnen. Produziert wird der Ethanol derzeit vor allem durch Bauern in Europa. Viele Leute sind sich unsicher ob sie den Biokraftstoff tatsächlich tanken können, aber dazu gibt es im Web Hilfe.
Es gibt ausführliche und verlässliche Listen im Netz ob Autos den Biokraftstoff E10 vertragen oder nicht vertragen:

Das ganze ist also gar kein Problem. E10 bedeutet tanken und ein besseres Gewissen dabei haben, denn 10% des Kraftstoffes sind regenerativ und wachsen nach! Man muss sich also nur informieren und dann ran an die Zapfsäule.
…oder doch nicht?

Was ist wenn ich mich geirrt habe und mein Auto doch kein E10 verträgt?

Realistisch: Man steht an der Tankstelle, tankt E10 und geht zur Kasse. An der Kasse stellt der Tankwart fest, dass Sie grad E10 getankt haben und teilt ihnen mit, dass ihr Auto älteren Baujahrs gar kein E10 verträgt! Was nun? Die Empfehlung des ADAC ist es, das Fahrzeug auf keinen Fall zu starten und den Biosprit wieder abzupumpen.

Kurze Zwischenfrage: Kennen Sie eigentlich den Kraftstoff Super und wissen Sie, dass dieser eigentlich Super E5 heißt? Nun darf man noch raten warum er so heißt… Aber eigentlich wissen Sie es schon… 5% des Treibstoffes bestehen aus Ethanol!

Unser gewohntes “Super” war also auch schon ganz schon etwas Bio und dass Auto hatte damit auch keine Probleme!
…oder doch nicht?

Kleine Milchmädchenrechnung: Ich habe 10 Liter E10 getankt habe, dass mein Auto leider doch nicht verträgt. Nun tanke ich 30 Liter Super drauf um das E10 zu neutralisieren. Ich habe nun 1l Ethanol aus dem E10 und 1,5l Ethanol aus dem Super im Tank, macht 2,5l Ethanol auf 40l Kraftstoff. Als Prozentwert sind dies 6,25% also habe ich nun E6,25 getankt. Nun muss ich bestimmt nicht mehr das Auto abschleppen und abpumpen, denn mit E5 fuhr ich ja schon länger ohne dies zu wissen.

Ja vielleicht sind die 6,25% Ethanol für meine Kraftstoffführenden Bestandteile des Autos nun etwas schädlicher, aber sie sind deutlich weniger schädlicher als E10 und auch nicht viel schädlicher als E5… Moment mal ist bzw. war E5, also Super, etwa auch schon schädlich?

Welchen Nutzen hat E10?

OK E10 ist, wie auch Super, vielleicht für mein Auto gar nicht mal so gut. Aber es steht auf der Liste, also wird es nicht weiter schlimm sein. In 5 Jahren will ich ohnehin ein neues Auto und ich tue durch E10 was für die Umwelt.
…oder doch nicht?

Eigentlich tut man eher etwas für die Bauern und für die Wirtschaft. Der Anbau von Pflanzen für die Bioethanolproduktion wird besser subventioniert als die Nahrungsmittelproduktion. Da lohnt sich also das E10! Und die Wirtschaft wird ebenso angekurbelt, wenn E10 dazu beiträgt, dass die treibstoffführenden Teile des Fahrzeugs eventuell früher korrodieren (oho oho, klingt ja fast nach geplanter Obsolenz).

Und für die Umwelt ist E10 sicher auch ein Erfolgsmodell! Es verknappt die Nahrungsmittel. Die Felder werden für den Anbau von Ethanol-Pflanzen genutzt und sorgen dafür, dass die Lebensmittelpreise steigen.
Ein Erfolgsmodell übernommen aus den Entwicklungsländern! Ländern wie Indonesien und Malaysia, welche in den letzten Jahren massiv in die Palmölproduktion eingestiegen sind, um damit den Bedarf der ersten Welt für Pflanzenfette und Biodieselgrundstoff zu liefern:

Palmölproduktion Indonesien
(Quelle: http://de.mongabay.com/news/2007/0515-palm_oil.html)

Die Ölproduktion trägt genauso zur Nahrungsmittelverknappung bei und sorgt zudem, dafür dass der CO2-Ausstoß durch die Abholzung des Regenwalds noch stärker steigt:

CO2-Ausstoß Indonesien
(Quelle: http://www.peace.co.id/?page_id=44)

Zum Vergleich 2005 die USA hatten 2005 einen CO2-Ausstoß von rund 5,8Gt, China rund 5Gt und Deutschland rund 0,8Gt. Laut der oberen Grafik hatte Indonesien 2005 einen CO2-Ausstoß von mehr als 2,2Gt. Davon entstanden rund 1,9Gt durch das roden von Wäldern und Torffeuer:

CO2 Emission Weltweit
(Quelle: http://www.china-profile.com/data/fig_co2-emissions_3.htm)

Ob man diese “positive Wirkung” auch mit E10 erreichen kann?

Wer sich zum Thema Palmöl näher informieren möchte, sei diese arte-Reportage empfohlen (auf YouTube via User mixedpickles999):

http://www.youtube.com/watch?v=vNS-jt912BA

So kommt manchmal eins zum anderen. Das waren nun meine Gedanken, danke!

Tags: Allgemein · Medien · Politik · Umwelt · Wissenschaft

4 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Dennis Wahl // Mrz 9, 2011 at 16:18

    Solange das Zeug nicht einmal wirklich umweltschonender ist, ist die ganze Debatte die da auf lustigen Gipfeln und vor Zapfsäulen geführt wird obsolet. Das Zeug nutzt ausschließlich der deutschen Autoindustrie. Der Wähler ist nur wieder der Dumme.

  • 2 E10 und der Benzingipfel: Mit fünf Punkten gegen die Unwissenheit | Hilfe beim Leben // Mrz 10, 2011 at 12:22

    [...] Tanken oder nicht tanken… eine wunderliche Geschichte zu E10 (Chris Nains Blog) [...]

  • 3 chrisnain // Mrz 14, 2011 at 22:53

    Die Autoindustrie hat sehr viel Einfluss bei der deutschen Politik, dass hat man auch bei der Opel-Rettung erlebt.

    E10 ist Unterstützung für die Autoindustrie und vielleicht auch ein Stück Unabhängigkeit vom Erdöl, allerdings (anders als behauptet) ohne Rücksicht auf die Umwelt.

  • 4 Die Piratenpartei ist meine Ökopartei! // Apr 5, 2012 at 18:38

    [...] der anderen Parteien die grün oder grün angemalt sind. (Und DANKE, an euch für: Den Biodiesel, E10 und andere Umweltkatastrophen zum Wohle der [...]

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